Sozialhilfe für Familien im Thurgau beantragst du bei der Sozialhilfe deiner Wohngemeinde. Seit dem 1. Januar 2026 gelten im Thurgau die SKOS-Richtlinien dynamisch: Der Grundbedarf für einen Haushalt mit vier Personen liegt laut den Richtlinien der Stadt Frauenfeld bei CHF 2’272.– pro Monat. Neu gibt es auch im Thurgau einen Vermögensfreibetrag.
Stand: 26. September 2026
- Anlaufstelle: Sozialamt bzw. Sozialhilfe deiner Wohngemeinde
- Grundbedarf 2026 (SKOS, Beispiel Frauenfeld): 1 Person CHF 1’061.–, 3 Personen CHF 1’974.–, 4 Personen CHF 2’272.–
- Seit 1.1.2026: SKOS-Richtlinien gelten dynamisch, Vermögensfreibetrag neu eingeführt
- Rückerstattung nur bei wesentlich verbesserter Lage oder unrechtmässigem Bezug – nie für Leistungen vor dem 18. Geburtstag
- Kostenlose Schuldenberatung: Caritas, Hotline 0800 708 708
📌 Was sich 2026 im Thurgau geändert hat
Der Regierungsrat hat am 27. November 2025 die revidierte Sozialhilfeverordnung genehmigt. Seit dem 1. Januar 2026 verweist der Thurgau für die materielle Grundsicherung dynamisch auf die SKOS-Richtlinien. Neue SKOS-Werte gelten damit jeweils automatisch ab dem folgenden 1. Januar. Junge Menschen gelten neu ab 26 statt ab 30 Jahren als Erwachsene. Und erstmals gibt es im Thurgau einen Vermögensfreibetrag.
Vorher war der Thurgau laut SKOS der einzige Kanton ohne Vermögensfreibetrag. Den Anstoss gab eine Motion, die der Grosse Rat im August 2025 mit 68 zu 52 Stimmen überwiesen hat.
💰 Wie viel Sozialhilfe bekommt eine Familie?
Einen Pauschalbetrag gibt es nicht. Die Gemeinde rechnet deinen Bedarf aus und zieht dein Einkommen ab – zum Beispiel Lohn, Familienzulagen und Unterhaltsbeiträge. Ausbezahlt wird die Differenz. Zum Bedarf gehören der Grundbedarf für den Lebensunterhalt, die Miete bis zur Obergrenze der Gemeinde und die Krankenkassenprämien.
| Haushalt | Grundbedarf pro Monat | Mietobergrenze Frauenfeld (netto) |
|---|---|---|
| 1 Person | CHF 1’061.– | CHF 1’030.– |
| 2 Personen | CHF 1’624.– | CHF 1’200.– |
| 3 Personen | CHF 1’974.– | CHF 1’490.– |
| 4 Personen | CHF 2’272.– | CHF 1’670.– |
| 5 Personen | CHF 2’570.– | CHF 1’800.– |
Quelle: Stadt Frauenfeld, Richtlinien zur Bemessung der Sozialhilfe ab 01.01.2026. Die Mietobergrenzen legt jede Gemeinde selbst fest.
Wer arbeitet, behält einen Teil des Lohns: In Frauenfeld beträgt der Einkommensfreibetrag bei einer Vollzeitstelle CHF 400.– pro Monat, bei Teilzeit anteilig. Wer nicht erwerbstätig ist, aber sich zum Beispiel in einem Programm engagiert, kann eine Integrationszulage von CHF 30.– bis CHF 300.– pro Monat erhalten.
🏦 Wie viel Vermögen darf ich behalten?
Seit 2026 gibt es im Thurgau einen Vermögensfreibetrag. Wie hoch er ist, steht im Merkblatt deiner Gemeinde. Die Gemeinde Roggwil TG nennt in ihrem Merkblatt für 2026 folgende Werte bei Unterstützungsbeginn:
| Person | Freibetrag laut Merkblatt Roggwil TG 2026 |
|---|---|
| Einzelperson | CHF 4’000.– |
| Ehepaar | CHF 8’000.– |
| pro minderjähriges Kind | CHF 2’000.– |
| Maximum pro Unterstützungseinheit | CHF 10’000.– |
Die SKOS hat ihre Empfehlung 2024 erhöht (Einzelperson CHF 6’000.–, Paar CHF 12’000.–). Frag deine Gemeinde, welche Werte sie anwendet.
📍 So beantragst du Sozialhilfe
Melde dich beim Sozialamt deiner Wohngemeinde, am besten früh – bevor Rechnungen liegen bleiben. Im Erstgespräch wird deine Situation erfasst, danach reichst du die Unterlagen ein. Üblich sind Mietvertrag, Lohnabrechnungen, Kontoauszüge, Krankenkassenpolicen, die letzte Steuererklärung und Belege zu Unterhaltsbeiträgen. Die Gemeinde prüft den Anspruch und entscheidet schriftlich.
Du bist verpflichtet mitzuwirken: Änderungen bei Einkommen, Wohnsituation oder Familie musst du sofort melden. Wer falsche Angaben macht oder Änderungen verschweigt, muss die zu viel bezogenen Leistungen zurückzahlen.
↩️ Muss ich Sozialhilfe zurückzahlen?
Nach dem Thurgauer Sozialhilfegesetz (§ 19 f SHG) ist Sozialhilfe in drei Fällen zurückzuzahlen: bei unrechtmässigem Bezug, wenn sich deine finanzielle Lage später wesentlich verbessert, und bei Vorschüssen auf Versicherungsleistungen. Eine feste Freigrenze gibt es nicht; die Gemeinde prüft, ob eine Rückzahlung zumutbar ist. Als Rate wird laut kantonalen Richtlinien typischerweise die Hälfte des Einnahmenüberschusses festgelegt.
Wichtig für Familien: Leistungen, die vor dem 18. Geburtstag ausgerichtet wurden, sind laut Gesetz nicht rückerstattungspflichtig. Deine Kinder tragen also keine Schulden aus der Sozialhilfe ins Erwachsenenleben. Die Rückforderung verjährt 5 Jahre nach Kenntnis eines auslösenden Ereignisses (etwa einer Erbschaft) und spätestens 15 Jahre nach der letzten Leistung.
🤝 Weitere Hilfe für Familien im Thurgau
Bevor oder während du Sozialhilfe beziehst, lohnt sich ein Blick auf vorgelagerte Leistungen. Dazu gehören die Prämienverbilligung für die Krankenkasse, Familienzulagen und bei Alleinerziehenden die Bevorschussung von Unterhaltsbeiträgen durch die Gemeinde. Bei Schulden hilft die Caritas mit einer kostenlosen Schuldenberatung, erreichbar über die Hotline 0800 708 708.
🏛️ Kanton: Kantonales Sozialamt Thurgau – berät Gemeinden, zahlt nicht direkt aus
💳 Schulden: Caritas Schuldenberatung, kostenlos, Hotline 0800 708 708
🧾 Prämien: Prämienverbilligung separat beantragen – sie senkt deinen Bedarf
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Prämienverbilligung, Familienzulagen und Unterstützung für Alleinerziehende.
❓ Häufige Fragen zur Sozialhilfe im Thurgau
Wo beantrage ich Sozialhilfe im Thurgau?
Beim Sozialamt deiner Wohngemeinde. Das kantonale Sozialamt berät die Gemeinden, zahlt aber keine Sozialhilfe direkt an Privatpersonen aus.
Wie hoch ist der Grundbedarf 2026 für eine Familie mit zwei Kindern?
Für einen Vier-Personen-Haushalt liegt der Grundbedarf nach SKOS bei CHF 2’272.– pro Monat (Richtlinien Frauenfeld ab 1.1.2026). Dazu kommen die Miete bis zur Obergrenze der Gemeinde und die Krankenkassenprämien.
Gibt es im Thurgau einen Vermögensfreibetrag?
Ja, seit der Revision der Sozialhilfeverordnung per 1. Januar 2026. Die Gemeinde Roggwil TG nennt für 2026 CHF 4’000.– pro Einzelperson, CHF 8’000.– pro Ehepaar, CHF 2’000.– pro Kind und maximal CHF 10’000.– pro Unterstützungseinheit.
Müssen meine Kinder die Sozialhilfe später zurückzahlen?
Nein. Leistungen, die vor dem 18. Geburtstag ausgerichtet wurden, sind im Thurgau laut Gesetz nicht rückerstattungspflichtig.
Wann muss ich Sozialhilfe zurückzahlen?
Wenn du sie unrechtmässig bezogen hast oder sich deine finanzielle Lage wesentlich verbessert, zum Beispiel durch eine Erbschaft. Die Gemeinde prüft, ob eine Rückzahlung zumutbar ist.
🏁 Fazit: Früh zur Gemeinde, Merkblatt verlangen
Die Sozialhilfe Familie Thurgau ist seit 2026 näher an den SKOS-Richtlinien als früher: dynamischer Grundbedarf und erstmals ein Vermögensfreibetrag. Geh früh zum Sozialamt deiner Gemeinde, verlange ihr Merkblatt mit den aktuellen Beträgen und kläre parallel Prämienverbilligung und Familienzulagen ab.
- Kanton Thurgau – Regierungsrat genehmigt revidierte Sozialhilfeverordnung (27.11.2025) (abgerufen 26.09.2026)
- Stadt Frauenfeld – Richtlinien zur Bemessung der Sozialhilfe ab 01.01.2026 (PDF) (abgerufen 26.09.2026)
- Gemeinde Roggwil TG – Merkblatt SKOS-Richtlinien inkl. Mietzinsmaxima 2026 (PDF) (abgerufen 26.09.2026)
- Sozialamt Thurgau – Richtlinien Rückerstattung von Sozialhilfeleistungen (PDF) (abgerufen 26.09.2026)
- SKOS – Vermögensfreibetrag auch im Kanton Thurgau (28.08.2025) (abgerufen 26.09.2026)
- Caritas – Schuldenberatung (abgerufen 26.09.2026)
Stand: 26.09.2026. Preise und Zeiten können sich ändern – verbindlich sind die Seiten der Anbieter.
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