Seit dem 1. Juli 2026 steht im Zivilgesetzbuch ausdrücklich, dass Eltern ihr Kind ohne Gewalt erziehen müssen. Das neue Gesetz bringt keine neuen Strafen, aber einen klaren Grundsatz – und verpflichtet die Kantone, Beratung für Eltern und Kinder bereitzustellen.
Stand: 27. September 2026
- In Kraft seit 1. Juli 2026 (Art. 302 ZGB)
- Verboten: körperliche Bestrafungen und andere Formen erniedrigender Behandlung
- Keine neuen Strafnormen – Eingriffe weiterhin über Kindesschutz und Strafrecht
- Kantone müssen Beratungsangebote für Eltern und Kinder sicherstellen
- Hilfe rund um die Uhr: Elternnotruf 0848 35 45 55, für Kinder und Jugendliche die 147
📜 Was im Gesetz steht
Der neue Satz in Art. 302 Abs. 1 ZGB lautet: «Insbesondere haben sie das Kind ohne Anwendung von Gewalt zu erziehen, namentlich ohne körperliche Bestrafungen und andere Formen erniedrigender Behandlung.» Neu ist auch Abs. 4: «Die Kantone sorgen dafür, dass sich die Eltern und das Kind bei Schwierigkeiten in der Erziehung gemeinsam oder einzeln an Beratungsstellen wenden können.»
Es handelt sich um eine sogenannte programmatische Norm: Sie formuliert eine Pflicht der Eltern und ein Leitbild für die Gesellschaft, schafft aber weder neue Strafen noch ein einklagbares Recht des Kindes. Wer ein Kind schlägt oder misshandelt, konnte schon bisher nach Strafrecht belangt werden, und die KESB kann wie bisher Kindesschutzmassnahmen anordnen.
| Datum | Schritt |
|---|---|
| 30.9.2021 / 14.12.2022 | Nationalrat und Ständerat nehmen die Motion 19.4632 (Bulliard-Marbach) an |
| 5.5.2025 | Nationalrat stimmt der Gesetzesänderung zu |
| 9.9.2025 | Ständerat stimmt als Zweitrat zu |
| 26.9.2025 | Schlussabstimmung: Nationalrat 131:63, Ständerat 33:4 |
| Januar 2026 | Referendumsfrist ungenutzt abgelaufen |
| 25.2.2026 | Bundesrat beschliesst Inkrafttreten |
| 1.7.2026 | Änderung von Art. 302 ZGB in Kraft |
Geschäft 24.077. Quellen: Parlament, Bundesrat, Bundesamt für Justiz.
🧭 Was das für den Alltag heisst
Ein Klaps, eine Ohrfeige oder Bestrafungen, die ein Kind blossstellen oder demütigen, sind mit dem Gesetz nicht vereinbar. Ziel ist nicht, Eltern zu bestrafen, sondern klar zu machen, was gilt, und Hilfe früher zugänglich zu machen.
Der Bund verzichtet angesichts der Finanzlage vorerst auf eigene nationale Sensibilisierungskampagnen. Die Umsetzung liegt bei den Kantonen, die Beratungsangebote sicherstellen müssen.
📞 Hilfe, wenn es zu viel wird
| Angebot | Für wen | Kontakt |
|---|---|---|
| Elternnotruf | Eltern in Krisen, rund um die Uhr, kostenlos per Telefon, Mail, Chat | 0848 35 45 55 · elternnotruf.ch |
| 147 – Pro Juventute | Kinder und Jugendliche, Telefon, SMS, Chat | 147 · 147.ch |
| Pro Juventute Elternberatung | Eltern mit Erziehungsfragen | projuventute.ch |
| Kinderschutz Schweiz | Informationen und Materialien zur gewaltfreien Erziehung | kinderschutz.ch |
Im Notfall: Polizei 117, Sanität 144.
St. Gallen verweist auf die Mütter- und Väterberatung, die Erziehungsberatung, die Schulsozialarbeit, das Kinderschutzzentrum St. Gallen sowie die Plattformen «find help» und sorgenwolken.sg. Für den Thurgau findest du die Stellen in unserem Überblick zur Erziehungsberatung im Thurgau.
💡 Wenn die Nerven reissen: was hilft
Hinter einem Ausrutscher steckt oft Überforderung. Hilfreich sind kleine Notbremsen: den Raum kurz verlassen, wenn das Kind sicher ist; tief durchatmen und bis zehn zählen; Konsequenzen ankündigen statt drohen; nach einem Streit das Gespräch suchen und sich entschuldigen, wenn man zu laut war. Wer merkt, dass solche Situationen häufiger werden, sollte früh Beratung holen – das ist kein Versagen, sondern genau das, wofür die Angebote da sind.
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❓ Häufige Fragen zum Gesetz über gewaltfreie Erziehung
Seit wann gilt das Gesetz?
Seit 1. Juli 2026. Das Parlament hat es am 26. September 2025 beschlossen, ein Referendum wurde nicht ergriffen.
Ist ein Klaps jetzt strafbar?
Das Gesetz schafft keine neue Strafnorm. Körperliche Bestrafung ist aber ausdrücklich nicht mehr mit den Elternpflichten vereinbar. Schwerere Gewalt war schon bisher strafbar.
Was ist mit «erniedrigender Behandlung» gemeint?
Bestrafungen, die ein Kind demütigen oder blossstellen. Das Gesetz nennt keine abschliessende Liste.
Wer hilft Eltern, die überfordert sind?
Der Elternnotruf unter 0848 35 45 55 rund um die Uhr, dazu die kantonalen Erziehungs- sowie Mütter- und Väterberatungen.
Wo bekommen Kinder Hilfe?
Bei der 147 von Pro Juventute – per Telefon, SMS oder Chat, kostenlos und vertraulich.
🏁 Fazit
Die Schweiz hat die gewaltfreie Erziehung jetzt ausdrücklich im Gesetz verankert. Die Änderung bestraft niemanden neu, setzt aber einen klaren Massstab und verpflichtet die Kantone, Eltern zu unterstützen.
- Bundesamt für Justiz – Gewaltfreie Erziehung (abgerufen 27.09.2026)
- Bundesrat – Inkrafttreten auf 1.7.2026 (abgerufen 27.09.2026)
- Parlament – Ständerat stimmt zu (9.9.2025) (abgerufen 27.09.2026)
- Kinderschutz Schweiz – politischer Weg (abgerufen 27.09.2026)
- Kanton St. Gallen – gewaltfreie Erziehung (abgerufen 27.09.2026)
- Elternnotruf (abgerufen 27.09.2026)
Stand: 27.09.2026. Preise und Zeiten können sich ändern – verbindlich sind die Seiten der Anbieter.
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