An der Sekundarschule Ermatingen herrscht aktuell ein beispielloser personeller Ausnahmezustand, der viele Familien in der Region verunsichert. Nachdem bereits im Dezember zwei Kündigungen bekannt wurden, werfen nun fünf weitere Lehrpersonen den Bettel hin – ein massiver Einschnitt für die überschaubare Oberstufe am Untersee. Als Mutter von zwei schulpflichtigen Kindern verfolge ich die Entwicklungen im Thurgau genau, denn ein solches Schuldrama betrifft am Ende immer die Jugendlichen am direktesten.
- 7 Lehrpersonen verlassen die Schule (2 Kündigungen im Dezember, 5 aktuelle Abgänge).
- 14 engagierte Lehrkräfte umfasste das bisherige Team der Oberstufe.
- Rund 100 Schülerinnen und Schüler sind von den personellen Wechseln direkt betroffen.
- 55–70 % beträgt das Pensum der aktuell ausgeschriebenen Schulleitungsstelle.
Ariane Nagel, Autorin: „Unsere Kinder gehen zwar noch nicht in die Oberstufe, aber die Unruhe an der Schule hier in Ermatingen ist im ganzen Dorf ein Thema am Familientisch. Wenn fast die halbe Belegschaft geht, frage ich mich als Mutter vor allem, wie die verbleibenden Schüler diese Lücken im Alltag verkraften sollen.“
📉 Der eskalierte Konflikt am Untersee
Die Nachrichten überschlagen sich: An der Sekundarschule Ermatingen herrscht Aufruhr. Laut Berichten der Thurgauer Zeitung verlassen insgesamt sieben Lehrkräfte die Schule freiwillig oder müssen gehen. Das ist bei einem Gesamtkollegium von 14 Personen exakt die Hälfte der Belegschaft.
Der Streit zwischen dem Kollegium und der zuständigen Schulbehörde schwelt offenbar schon länger. Im Dezember des vergangenen Jahres wurde bekannt, dass zwei Sekundar-Lehrpersonen gekündigt wurde. Diese Entscheidung sorgte bereits für Unmut und Tränen bei der Schülerschaft. Nun werfen fünf weitere Pädagogen von sich aus das Handtuch. Ein solcher Massenexodus ist an Thurgauer Schulen eine absolute Seltenheit und deutet auf tiefgreifende strukturelle oder zwischenmenschliche Differenzen in der Führungsebene hin.
🎒 Was bedeutet der Exodus für die Jugendlichen?
Für die rund 100 Jugendlichen im Alter von 13 bis 16 Jahren ist die Situation extrem belastend. Die Oberstufe ist eine entscheidende Phase für die persönliche Entwicklung und die Berufswahl. In dieser Zeit brauchen Teenager vor allem eines: Verlässlichkeit und konstante Bezugspersonen.
Wenn plötzlich vertraute Klassenlehrpersonen wegfallen, reissen wichtige Beziehungsnetze. Lehrpersonen an der Sekundarschule sind nicht nur Wissensvermittler. Sie schreiben Referenzen für Lehrstellen, unterstützen bei der Suche nach Schnupperlehren und fangen pubertäre Krisen im Schulalltag auf. Ein Wechsel mitten im Schuljahr oder auf das neue Semester hin erfordert von den Jugendlichen eine enorme Anpassungsleistung. Neue Lehrkräfte müssen die Klassendynamik erst kennenlernen, was unweigerlich zu Reibungsverlusten im Unterricht führt.

🗣️ Eltern im Ausnahmezustand: Richtig reagieren
Wenn die Schule brennt, kochen die Emotionen am Familientisch hoch. Eltern fühlen sich oft machtlos, wenn interne Konflikte den Schulalltag ihrer Kinder beeinträchtigen. Wichtig ist nun ein strukturiertes Vorgehen, um den Druck von den Kindern zu nehmen und konstruktive Antworten zu erhalten.
✅ Schritt-für-Schritt in der Schulkrise
- Zuhören: Lass dein Kind erzählen, wie es die Situation wahrnimmt. Teenager haben oft ein feines Gespür für Ungerechtigkeiten.
- Sachlich bleiben: Vermeide es, vor den Kindern schlecht über die abtretenden Lehrpersonen oder die Behörde zu sprechen. Das schürt nur weitere Verunsicherung.
- Elternrat nutzen: Bündelt eure Fragen im Klassenchat und tretet über den offiziellen Elternrat an die Schulleitung heran.
- Informationsanlässe fordern: Die Behörde steht in der Pflicht, die Elternschaft über die Sicherstellung des Schulbetriebs zu informieren.
Im Thurgauer Schulsystem gibt es klare Anlaufstellen. Wenn die direkte Kommunikation mit der Schulleitung nicht mehr funktioniert, ist die Schulbehörde der nächste Ansprechpartner.
| Instanz im Thurgau | Zuständigkeit | Rolle im Konfliktfall |
|---|---|---|
| Schulleitung | Operative Führung | Erste Anlaufstelle für Eltern und Stundenplanung |
| Schulbehörde | Strategische Führung | Arbeitgeberin der Lehrpersonen, fällt Personalentscheide |
| DEK (Kanton) | Aufsichtsorgan | Greift bei groben rechtlichen Verstössen ein |
🔄 Transformationsprozess und offene Schulleitung
Das lokale Portal Kreuzlingen24 berichtet, dass sich die Sekundarschule Ermatingen in einem «umfassenden Transformationsprozess» befinde. Solche Prozesse werden oft angestossen, wenn pädagogische Konzepte erneuert oder Führungsstrukturen angepasst werden müssen. Genau hier entstehen häufig Reibungsflächen zwischen langjährigen Lehrpersonen, die bewährte Methoden verteidigen, und einer Behörde, die neue Wege gehen will.
Besonders brisant: Aktuell ist die Stelle der Schulleitung auf dem Portal publicjobs.ch mit einem Pensum von 55 bis 70 % ausgeschrieben. Gesucht wird eine Person für rund 100 Schülerinnen und Schüler sowie 14 Lehrpersonen. Wer auch immer diese Position antritt, steht vor einer Herkulesaufgabe. Es gilt nicht nur, sieben vakante Lehrerstellen in Zeiten des akuten Lehrermangels neu zu besetzen, sondern auch das Vertrauen der Elternschaft und das Betriebsklima von Grund auf neu aufzubauen.
🏛️ Die Rolle der Schulbehörde im Kanton Thurgau
Im Kanton Thurgau sind die Schulgemeinden eigenständig organisiert. Die Schulbehörde wird vom Volk gewählt und arbeitet im Milizsystem. Das bedeutet, dass engagierte Laien – oft selbst Eltern – die strategische Führung einer Schule übernehmen und als Arbeitgeber für die Schulleitung und die Lehrpersonen fungieren.
Dieses System hat grosse Vorteile, weil es lokal verankert ist. Es birgt aber auch Risiken. Wenn pädagogische Fachleute (Lehrpersonen) auf Milizpolitiker (Schulbehörde) treffen, prallen oft unterschiedliche Vorstellungen von Schulalltag und Führungskultur aufeinander. Eskaliert ein solcher Konflikt wie aktuell am Untersee, leiden letztlich die Bildungsqualität und das Wohlbefinden der Jugendlichen.
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Warum kündigen so viele Lehrpersonen an der Sekundarschule Ermatingen?
Die genauen Gründe sind intern, jedoch berichten lokale Medien von einem eskalierten Konflikt zwischen dem Lehrerkollegium und der Schulbehörde. Nach zwei Kündigungen im Dezember folgten fünf weitere freiwillige Abgänge aufgrund von unüberbrückbaren Differenzen über die Führung und Ausrichtung der Schule.
Wie viele Schüler besuchen die Sek Ermatingen aktuell?
Die Sekundarschule Ermatingen ist eine überschaubare Oberstufe. Sie wird von rund 100 Schülerinnen und Schülern besucht. Diese verteilen sich auf die 7. bis 9. Klasse und wurden bisher von einem Team aus 14 Lehrpersonen unterrichtet.
Wer übernimmt nun die Schulleitung in Ermatingen?
Die Position der Schulleitung ist derzeit vakant und öffentlich ausgeschrieben. Gesucht wird eine Person für ein Pensum von 55 bis 70 Prozent. Bis zur Neubesetzung muss die Schulbehörde in Zusammenarbeit mit dem verbleibenden Team den operativen Betrieb sicherstellen.
Was bedeutet der «Transformationsprozess» für die Schule?
Ein Transformationsprozess deutet auf geplante strukturelle oder pädagogische Veränderungen hin. Oft geht es dabei um neue Lehrmethoden, Digitalisierung oder Anpassungen in der Schulkultur. Solche Prozesse führen häufig zu Reibungen, wenn die Visionen von Lehrerschaft und Behörde nicht übereinstimmen.
Wie geht es nach den Sommerferien weiter?
Die oberste Priorität der Schulbehörde ist es nun, die sieben vakanten Stellen bis zum neuen Schuljahr mit qualifizierten Lehrkräften zu besetzen. Angesichts des allgemeinen Lehrermangels in der Ostschweiz ist dies eine grosse Herausforderung. Der Stundenplan und die Fächerabdeckung müssen zwingend gewährleistet werden.

🏁 Fazit: Ein schwieriger Neustart am Untersee
Die Sekundarschule Ermatingen steht vor der grössten personellen Herausforderung ihrer jüngeren Geschichte. Der Abgang von 50 Prozent des Kollegiums und die unbesetzte Schulleitung erfordern nun sofortige Massnahmen und eine transparente Kommunikation der Behörden gegenüber den verunsicherten Eltern. Für die rund 100 Jugendlichen am Untersee ist ein rascher, geordneter Neustart mit einem vollständigen Team entscheidend, um Bildungsrückstände und weitere emotionale Belastungen zu vermeiden.
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